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Mittwoch, 9. Oktober 2019

Ginger Liquer - Lyme Bay Winery

Ginger Liquer
17 %vol, Lyme Bay Winery, Axminster,

Der soll ja Whisky enthalten. Und weil ich gerne Whisky, besonders schottischen Single Malt, trinke, war das ein optimales Mitbringsel für mich. Meine Frau hat die schöne Flasche von ihrem Aufenthalt in Kent aus England mitgebracht. Hergestellt wird der Likör in Devon, eine wunderschöne Landschaft, die sich hinter dem westlich angrenzenden Cornwall nicht verstecken muss.

Wir trinken diesen Ingwer Likör raumtemperiert.

Farbe: gelborange, honigfarben
Aroma: Badewasser, parfümiert, süßlich und schwach nach Nelke, Ingwer riecht niemand
Geschmack: Badewasser, Kinder EM Eukal Hustenbonbon, süß, Ingwer erst harmlos, dann wärmend
Abgang: leichte Schärfe, Ingwer flammt auf, bleibt lang
Fazit: Ich finde Ingwer perse gut, meine Mitverkoster waren vom Ingwer gar nicht angetan. Insgesamt ein bisschen dünn bzw. wässerig. Kann man mal haben … Kann man aber ganz sicher nicht haben, wenn man gar keinen Ingwer mag. Den versprochenen Whisky habe ich bislang noch nicht rausschmecken können. Wie schreiben sie so schön: „Previously called Whisky Ginger.“ Ja, früher nannte man ihn so.



Donnerstag, 21. Juli 2016

Riga Black Balzam

Riga Black Balzam
45 vol%, AS „Latvijas balzams“, Aleksandra Čaka iela 160, Latgales priekšpilsēta, Rīga, LV-1012, Lettland

Die Dose ist schon mal mindestens super. Die Destillationsszene aus vergangener Zeit echt beeindruckend … bekannt und fremd zugleich. Sie erinnert mich meine Kindheit, genauer an die Wohnung meiner Tante. Da gab's noch Ende der Sechziger noch ähnliches Wirtschaftswunderzeug. So etwas habe ich lange nicht mehr gesehen. Find' ich aber richtig gut. Die Flasche selbst ist aus dunkelbraunem Steingut. Die Etiketten sind mit Goldschrift bedruckt.

Die Flasche kommt direkt aus Lettland, drum steht da auch nix auf Deutsch drauf. Was ich auf Englisch lesen kann: Black Balzam wurde bereits 1752 von dem Rigaer Apotheker Kunze hergestellt. Ein Apothekerschnaps? Allesamt bisher probierten Apotheker-Schnäpse waren außerordentlich bitter und sehr gewöhnungsbedürftig. Eine letzte Info auf der Flasche: Aus 24 verschiedenen Zutaten – Gräsern, Beeren, Wurzeln und Knospen – entsteht ein klassischer wie trotzdem zeitgenössischer Geschmack, pur oder als Cocktail. Wir sind gespannt ...

Wir trinken diesen Magenbitter pur und zimmertemperiert.

Farbe: dunkel, schwarzbraun
Aroma: süßlich, Weintraube, Kakao, fruchtig, fast so wie Herren Spezial
Geschmack: Boah, was'n datt? Das ist ja mal herb! Bitter bis hin zu gallig, aufflammend, medizinisch und deshalb schwer gewöhnungsbedürftig, so was von herb und bitter, dass es unsere Geschmacksrezeptoren dermaßen überwältigt, dass der Balzam allen anderen außer mir schwer missfällt
Abgang: total herb und bitter, brennt noch im Magen, wobei ich noch eine gewisse Süße schmecke, die aber erst im allerletzten Nachschmecken spürbar wird, bleibt aber vordergründig doch sehr bitter
Fazit: Also nee! Meine Mitverkoster sind gar kein bisschen angetan. Sie schütteln sich, für sie löst der Black Balzam instinktiv Alarmglocken aus: Bloß nicht trinken, ist zu gallig bitter, kann nicht gesund sein. Und das, obwohl es ein Apotheker-Schnaps ist.
Oder sind wir Mitteleuropäer mittlerweile so auf Süß gepolt, dass uns so bitterer Geschmack missfällt? Ich kann dem Black Balzam als Magenbitter durchaus etwas abgewinnen, stehe aber mit meiner Meinung gegen vier Mitverkoster. Vielleicht ist ja das beigefügte Rezeptbüchlein für Cocktails die Rettung für die Flasche.

Donnerstag, 26. November 2015

Sanddorn Kräuterlikör Alte Pommernkate

Sanddorn Kräuterlikör
33 vol%, Alte Pommernkate, 18573 Rambin/Rügen

Was zunächst auffällt: So viel Sanddorn kann gar nicht in der Flasche sein, denn es leuchtet gar nicht so knallig orange wie bei der Fasanenbrause aus Borkum. Und die zweite Auffälligkeit? Der Kräuterlikör kommt in der Limoflasche mit Bügelverschluss. Wohl alles vor Ort handgemacht, selbst gemischt und abgefüllt. Genau die Art lokaler Spezialität, die mir so gut gefällt, wenngleich die Alte Pommernkate doch sehr touristisch ausgerichtet zu sein scheint.

Wir trinken diesen Kräuterlikör heute mit Zimmertemperatur.

Farbe: rötliches Kupfer, wie Cognac
Aroma: frische Süße, kurz sauer, dezent
Geschmack: Gewürze, süß, scharf, klebrig, fruchtig säuerlich, unterschwelliger Rum, gewisse Grognote, Schärfe durch Chili?
Abgang: Schokolade kommt mit Macht, Weihnachten und Weihnachtsgewürze
Fazit: Welche Gewürze sorgen für diese aufflammende Schärfe? Bestimmt Chili, dieser Kräuterlikör hat diesen gewissen Chili-Catch, ansonsten viele Geschmackseindrücke, vielseitig, tricky, unvermutet komplex, Wechselbad der Geschmäcker, kommt bei mir viel besser an, als bei den Mitverkostern, müssen wir unbedingt nochmal mit Spender Herbert verkosten, der diesen Sanddorn-Kräuterlikör von Rügen für uns Montagsspieler mitgebracht hat.

Dienstag, 29. September 2015

Génépi intense des Pères Chartreux

Génépi intense des Pères Chartreux
40 vol%, Chartreuse Diffusion, 10 Bd Edgar-Kofler, 38500 Voiron

Was hab' ich da gesehen, in diesem Supermarkt an der Cote d'Azur? Es gibt neben all dem Wein auch Schnäpse. Neben dem Pastis stehen grüne Superflachmänner, erinnern mich an meine Zeit als Praktikant auf dem Bau, als ich einem Kollegen immer, wirklich täglich, einen Flachmann aus dem Tante-Emma-Laden mitbringen musste. Und zwar heimlich … Nein, aus mir ist kein Alkoholiker geworden. Dieser Kräuterlikör ist nicht fürs Wirkungstrinken. Wir praktizieren eh nur Genusstrinken, ein, wenn er gut ist auch zwei Pinnchen beim Montagsspielen, muss reichen.

Jedenfalls musste ich da zuschlagen und diesen Génépi intense mitnehmen, gilt er doch als Spezialität der französischen und italienischen Alpen. Und ich war da doch gleich um die Ecke! Außerdem ist das Etikett so herrlich unbelastet: Kein Aufrüschen, kein Marketing-Schnickschnack. Das Aussehen der Flasche spricht schon für eine Besonderheit, für etwas Tradiertes.

Jetzt noch das Klugscheißen: Wird aus der Ährigen Edeltraute gewonnen ...

Wir trinken diesen Kräuterbitter heute mit Zimmertemperatur.

Farbe: hellgrünlich hell
Aroma: Minze im Hintergrund, klar nach Kräutern, auch nach Ramazotti, alkoholisch
Geschmack: ölig, fruchtig, sahnig, leicht medizinisch, dann schlagmals aufflammend und brennend
Abgang: Schärfe bleibt, Nachbrenner mit einem scharfen Kondensstreifen, wird zu einer angenehmen Schärfe, Süße kommt aber wieder, Speichelfluss setzt ein
Fazit: kreist sofort in der Birne, die Ingredentien sind beim letzten Schluck deutlich schmeckbar, zwischendurch tauchen sie eher ab, sehr spezieller Digestiv, fast wie Hustensaft auf Dope mit Nachbrenner und dem gewissen Geschmack nach der Wurzel der Ährigen Edeltraute, aber durchaus interessant nach einem kräftigen Essen, für mich ein guter Verteiler, für meine Mitkoster zu speziell und eher nichts

Dienstag, 22. September 2015

Berdel Doppelwacholder

Berdel Doppelwacholder
38 vol%, Kornbrennerei Gerbermann, Püning 11, 48351 Everswinkel

Diese Brennerei kann ich mit dem Fahrrad erreichen. Auf halbem Weg zwischen Wolbeck und Alverskirchen liegt sie inmitten unserer Münsterländer Parklandschaft, halb Brennerei, halb Landwirtschaft. Und einen Hofladen gibt’s auch. Der ist allerdings im ersten Obergeschoss, zu dem eine halsbrecherische Betontreppe hinauf geht. Gerade der Abstieg ist nur mit klarem Kopf wirklich sicher. Und vorher sollte man auch nicht die Gerbermannsche Homepage anschauen. Die macht einen nämlich seekrank.

Diesen Doppelwacholder hat mir ein Arbeitskollege mit dem Hinweis empfohlen, ihn eiskalt zu trinken. Geht gar nicht, jedenfalls nicht mit meinem Eisfach. Total eingefroren. Für 38 %vol ist entweder mein Kühlschrank zu kalt oder der Alkohol zu schwach. Ob ich mal ein Thermometer in mein Kühlfach lege oder den Alkoholgehalt nachmesse?

Von Gerbermann hatten wir bereits den Berdel Spezial – einen Kräuterlikör - in der Verkostung.

Wir trinken diesen Doppelwacholder heute nur kühlschrankkalt. Eiskalt geht ja nicht. Dafür wird‘s eine Blindverkostung, ich zeige beim Einschenken das Etikett einfach nicht.

Farbe: klar
Aroma: nach Korn, mit ein bisschen Kleber
Geschmack: Korn mit Anklängen von Lakritz
Abgang: schon ein bisschen mehr nach Lakritz, lang und wärmend
Fazit: man mag nicht glauben, dass es ein Wacholder ist, schmeckt eher wie ein Korn, aber ein leckerer. Eigentlich müssen wir mal den Gerbermann Korn probieren.

Dienstag, 15. September 2015

Fine Bretagne - Lambig

Fine Bretagne - Lambig

40 vol%, Destillerie Warenghem, 22300 Lannion, Bretagne

Calvados heißt in der Bretagne Lambig. So hat jede Region ihr eigens Eau de vie de cidre … und so kommt sich keiner in die Quere. Heißt auf gut deutsch: Die Bretagne soll nicht vom Marketing bzw. der Marke Calvados profitieren. Aber man ist ja findig.

Dieses ist übrigens eine Zweitverkostung. Beim ersten Mal hat er irgendwie anders, aber vor allem besser geschmeckt. Die (Vor-)Verkostungsnotizen stehen (in Klammern).

Wir trinken diesen Lambig ungekühlt.

Farbe: golden - (Apfelsaft)
Aroma: von Ferne nach Apfel, in der Nähe deutlich nach Kleber, wie Uhu aus der Tube – (Most, Kleber, Lösemittel)
Geschmack: trocken, scharf, Eiche, brennt, Weinbrandpraline ohne Zucker, mit ein bisschen Wasser weicher und deutlich mehr nach Apfel – (brennt erst, warm und füllig, nach Eiche und dunkler Schokolade)
Abgang: dann kommt er doch, der Apfelgeschmack, herb und bitter, ganz am Ende versöhnlich mild, wärmend – (lang, weich, wärmend)
Fazit: in Mund und Kehle passiert so einiges, erst scharf, dann herb und sprittig – (richtig guter Lambig, schmeckt allerdings vordergründig nicht nach Apfel)

Dienstag, 4. August 2015

Pineau des Charentes – ROSE – von Puy Gaudin

Pineau des Charentes – ROSE –
17 vol%, Appellation Pineau des Charantes Controlée, hergestellt von PUY GAUDIN, Route de Pons BP 11, 17260 GEMOZAC – SCAMARK – C.S.90019, 94859 IVRY-SUR-SEINE CEDEX - France

In Frankreich ist erstens die Weinauswahl riesig und zweitens der Whisky deutlich günstiger … in den Supermärkten, die ich an der Cote d'Azur besucht habe. Daneben gibt es jede Menge anderer Spirituosen, aber längst nicht so viele wie Wein. Bei den Süßweinen bin ich zufällig auf den Pineau Rose gestoßen: „Serve tres frais“ stand drauf. Bei den aktuellen Temperaturen während des Urlaubs genau das richtige, ihn sehr gekühlt zu genießen. Außerdem war von diesem doch eher roten Pineau nur noch wenig vorhanden, muss ja wohl was dran sein. Also hab‘ ich ihn auf Verdacht gekauft und schon im Urlaub schön auf Eis getrunken.

Pineau ist eine westfranzösische Spezialität aus unvergorenem Most und Eau de Vie, dieser hier aus Traubenmost und Cognac. Wer mehr darüber wissen will, schaut bei Wikipedia nach.

Heute trinken wir den Pineau statt auf Eis nur kühlschrankkalt.

Farbe: dunkler Pflaumensaft, Pflaumenkompott
Duft: frische Pflaume, dunkle Kirsche mit einem Hauch Traubenmost
Geschmack: irgendwie wie Pflaumenschnaps aus dem China-Restaurant, aber mit einer herberen Note
Abgang: schwach, ganz zarter Rachenputzer, leicht pelzig auf der Zunge
Fazit: bestenfalls nettes Damenlikörchen, läuft so durch, auf Eis ein leichter und angenehmer Aperitif für den Sommer

Dienstag, 5. Mai 2015

Schipper Bitter

Schipper Bitter
30 vol%, Kräuterbitter aus den Niederlanden, Muier Schipperbitter Mij, Postbus 62, 3100 AB Schiedam, jetzt von de Kuyper

Bis Ostern keinen Alkohol! Und im Oster-Urlaub hab' ich dann in einem Spirituosen-Laden einen Kräuterbitter gekauft. Ich liebe diesen Laden, der ist urig und hat jede Menge Zeugs, was es woanders längst nicht mehr gibt. Leider kennt mich der Inhaber bereits, so manches Schätzchen ist mittlerweile im Preis deutlich angezogen. Nicht so die üblichen niederländischen Spirituosen. Diesen Kräuterbitter hat er mir als ungesüßten Bitter empfohlen.

Auf dem Etikett steht so mancher Schmonz, dass sich die Männer und Frauen von den Plattbodenschiffen diesen Bitter gegönnt haben … in der Kajüte oder in der Kneipe … wenn der Nordwestwind an den Wanten zieht … Den ganzen Text gibt’s natürlich nur auf Niederländisch.

Wir verkosten Schipperbitter erst mit Zimmertemperatur, später lege ich dann doch noch einen kühlschrankkalten Schipperbitter nach, denn so soll er getrunken werden. Hab ich von der grottigen Webseite. Immerhin erfahre ich dort auch, dass er auch gut in warmer Schokolade schmecken soll. Wär' ja noch 'ne brauchbare Resteverwertung im nächsten Winter.

Farbe kastanienrötlich, Pflaume
Duft: schwach nach Kräutern, rieche ich da Worcestersauce?, getrocknetes und abgelagertes Schnittholz, nach Tischlerwerkstatt, leicht ätherisch, Räucherschinken
Geschmack: nach Kräutern, erst süß, dann bitter (logisch!), im Nachhall mittelscharf, leicht metallisch, ölig, dennoch etwas stumpf
Abgang: mit Nachbrenner auf der Zunge und schwächer in der Magenröhre, wärmend, wird süßer, Speichelfluss setzt ein
Eindruck: leicht ölig, aber geschmacklich machen sich die nur 30%vol doch nachteilig bemerkbar, im Abgang dominiert erstaunlicherweise die Süße
Fazit: gängiger, mir etwas zu süßer und zu ausdrucksschwacher Kräuterbitter

Dienstag, 10. Februar 2015

Echter Magenbitter Alter Schwede

Philipp Greve-Stirnberg: Echter Magenbitter Alter Schwede
35 vol%, echter Magenbitter, eingeführt seit 1859 zu Bonn a. Rhn, J.W. Wolff, Leer-Ostfr.

Wie das Etikett aussieht!? Antiquiert und doch so schön, dass ich zugreifen muss. Magenbitter mag ich wohl, allerdings hab' ich da mit Apotheker-Magen-Schnäpsen schon Schiffbruch erlitten. Aber dieser hier hat so viele Preise abgeräumt, im letzten und vorletzten Jahrhundert. Was sich so lange am Markt hält, muss ja was haben. Was mich allerdings wundert, dass der Schnaps in Ostfriesland heimisch ist, wo er doch in Bonn „erfunden“ wurde. Naja, die Ostfriesen verstehen was von Schnäpsen. Früher gab's da ja wohl in fast jedem Dorf eine Brennerei, sagt mein Volkskundlerkumpel.

Wir haben „Alter Schwede“ erst ungekühlt verkostet. Kommt überhaupt nicht an! Dann doch lieber eisgekühlt aus dem Gefrierfach:

Farbe fast gänzlich schwarz
Duft: leicht medizinisch, schwach nach Lakritze
Geschmack: bitter, stumpf, fühlt sich so an, als ob ungelöste winzige Partikel am Gaumen hängen bleiben, herb, scharf am Zungenrand, regt den Speichelfluss an,
Abgang: wärmend, aufräumend, leichter Nachbrenner, rollt die Speiseröhre aufwärts, wird süßer, wenn auch nur wenig
Eindruck: mmh, erstaunlicher, ungewöhnlicher und deutlich weniger gefälliger Magenbitter mit einer ganz persönlichen Note
Fazit: bin mir nicht sicher, ob er mir gut schmeckt, besser als „Der Melmer“ oder der „Hemmerling“ ist er allerdings, in etwa in der Liga vom „Butzelmann“, eine Wirkung als Magenaufräumer ist jedenfalls spürbar, auch eine gewisse Süße, allerdings geht „Alter Schwede“ wirklich nur eisgekühlt

Dienstag, 9. Dezember 2014

Becherovka

Becherovka
38 vol%, traditioneller Kräuterbitter aus Tschechien, gereift in Eichenfässern. Jan Becher, Karlsbad, Tschechien, Alleinvertrieb in Deutschland bei Pernod Ricard Deutschland GmbH, D-50931 Köln

Ich hatte ja schon geschrieben, dass der Juttertje aus Texel die Tradition des Montagsschnaps unter uns Montagsspielern begründet hat. Eigentlich eher verfestigt, denn alles hat mit Becherovka angefangen. Mein damaliger Arbeitskollege, dessen Nachname aus nur drei Konsonanten besteht, hatte ihn mir aus seiner alten Heimat mitgebracht. Ich glaube sogar, dass er da noch in Deutschland produziert worden ist … war in den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts, ein, zwei Jahre nach der Wende. Jetzt wird der Becherovka wieder in seiner alten Heimat Tschechien hergestellt.
Na egal, der Kollege ist als halb Deutscher, halb Österreicher in Tschechien aufgewachsen, später dann nach Australien getürmt, hat dort seine deutsche Frau geheiratet und ist mit ihr Jahre später zu uns nach Münster gezogen. … und ist nach dem Mauerfall öfters nach Tschechien in die alte Heimat gereist. In den Jahren, als der Kollege noch Kollege und nicht Rentner war, hat uns sein Becherovka immer gut geschmeckt, war zeitweilig sogar so was wie unser In-Getränk.
Ich hab' ihn erst ungekühlt verkostet. Kommt überhaupt nicht an! Dann eisgekühlt aus dem Gefrierfach. Wieder nix! Dann doch noch lieber kühlschrankkalt, so wie heute.

Farbe gelblich mit einem Schuss ins Grüne
Duft: weihnachtlich, sofort da: Lebkuchen! Nelken, weihnachtlich, ein Hauch Honigkuchen
Geschmack: bittersüß, scharf, herb, medizinisch, ölig, aber dann Nelke, Nelke, Nelke!
Abgang: mit Nachbrenner auf der Zunge, weniger in Magen und Speiseröhre, wärmend, langer Nachgeschmack nach Nelke, bitter
Eindruck: schmeckt deutlich kräftiger, herber und bitterer, als er riecht
Fazit: Dieser Kräuterbitter kommt sehr durchwachsen an. Ist zu bitter, zu sperrig im Abgang und vor allem zu nelkig. Muss ich den wirklich alleine trinken? In der Vorweihnachtszeit finde ich Becherovka ganz angenehm. Der Lebkuchenduft ist schon verlockend, der Inhalt der Flasche erstaunlich schnell unter unsere Gäste gebracht. Aber wer nicht auf Nelke steht, dem sträubt sich alles, dem bleibt nur ein inbrünstiges „Bäh!“

Dienstag, 19. August 2014

Licor Randa

Licor Randa
40 vol%, traditioneller Klosterlikör hergestellt von Licores Mallorquines, S.A., C/ Licorers, S/N Marratxi - Mallorca, gekauft im Shop der Santuari de Nostra Senyora de Cura

Klar, dass der Tafelberg fast in der Inselmitte von Mallorca auf unserem Reiseprogramm stand. Logisch, dass wir uns Aussicht und Kloster nicht entgehen lassen wollten. Und natürlich hatte ich noch etwas anderes im Auge. Oben auf dem Berg gibt’s im Klosterladen eine echte mallorquinische Spezialität zu kaufen. Nein, nicht diesen Tunel. Die Mönche oben auf dem Berg haben einen hochgelobten Likör erschaffen, der jetzt natürlich professionell von Licores Mallorquines hergestellt, aber immer noch oben auf dem Berg verkauft wird.
So etwas kann ich mir nicht entgehen lassen. Selbst wenn die Anreise zum Tafelberg aus dem Südwesten der Insel doch etwas dauert, der Himmel immer bewölkter wird, es deutlich abkühlt und dann noch eine „Jeepsafari“ im Kloster einfällt. Die jungen Leute waren zu leicht bekleidet, um bei diesem Wetter in offenen Suzuki-Jeeps über die Insel zu brettern. Aber hier geht’s ja um den Schnaps. Für so was Ausgefallenes haben junge Leute noch keinen Blick, zumal der Licor Randa eher hochpreisig daherkommt.


Farbe leicht grünliches Gelb
Duft: ganz leicht nach Krankenhaus, nach frischer Desinfektion, Orange mit einem Schuss Pril, schwach herbal, ein Hauch Süße spürbar
Geschmack: prickelt auf der Zunge, scharf, süß, ölig, bissfest, sahnig schmierig
Abgang: brennt lange in der Speiseröhre nach, kommt im Magen an, Süße bleibt
Eindruck: schön abgestimmte scharfe Süße, ist Feuer drin
Fazit: Ist schon was Besonderes, zumal der Likör nicht nur süß, sondern auch scharf ist. Kein Wunder, 40%vol ist eine klare Ansage. Der Randa ist gut abgestimmt, für unsere Geschmacksnerven allerdings ein bisschen zu süß. Ist das Honig im Spiel? Oder Orange? Allein wegen der Farbe … Am Ende steht deshalb nur ein etwas durchwachsenes Fazit: Schmeckt wohl ... und den Frauen besser als den Männern. Na, dass muss ich jetzt wohl revidieren: Bei den Männer kommt er mittlerweile auch gut an. Deshalb die neue Bewertung: Gerne doch!

Mittwoch, 13. August 2014

Pinkus Special

Pinkus Special
Naturtrüb und ungefiltert, 5,1 vol%, Original Brauereiabfüllung, Gerstenmalz, Naturhopfen und Hefe aus biologischem Vertragsanbau

Wird drei Monate bei Temperaturen um 0 Grad gelagert. Im Keller? Also ein Kellerbier …

Farbe trüb gelb, mit einen Stich ins Orangene
Duft: frisch, zitrusfruchtig, leicht
Geschmack: feinperlig, leicht herb, süffig, macht den Mund voll
Abgang: leichte Herbe macht sich breit, Aufstoßen, bitterer werdend
Eindruck: süffiges Bier, wenig herb, wieder mit reichlich Kohlensäure, mit Pinkus Pils fast gleichauf.

Hier geht's zu allen Pinkus Bieren.

Mittwoch, 6. August 2014

Pinkus Pils

Pinkus Pils
Mit feinem Aromahopfen, 4,6 vol%, Original Brauereiabfüllung, Hopfen und Malz aus kontrolliert biologischem Vertragsanbau

Ein Standard Pils halt, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Farbe blassgolden
Duft: frisch, hefig
Geschmack: füllig, feinperlig, ganz leichte Säuerlichkeit, macht den Mund voll
Abgang: Herbe kommt, bitter werdend
Eindruck: schön herbes Pils, allerdings mit reichlich Kohlensäure, bislang das beste Pinkus

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Mittwoch, 16. Juli 2014

Pinkus Classic

Pinkus Classic
4,4 vol%, Original Brauereiabfüllung aus historischen Gerstensorten, Bioland Gerstenmalz, Naturhopfen und Hefe aus biologischem Vertragsanbau

Komisch, zu diesem Bier gibt es auf der Homepage von Pinkus so gar keine Informationen. In der Überschrift steht zwar „10x Qualität – und sonst gar nichts!“, abgebildet sind aber nur neun verschiedene Biere. Classik ist also das verlorene Bierchen …

Farbe hellgold, unklar
Duft: säuerlich
Geschmack: feinperlig, leicht wässrig, wenig herb
Abgang: säuerlich, kommt wieder
Eindruck: ein bisschen wie Weizenbier, ganz o.k., allerdings auch irgendwie auf spezielle Weise süffig, viel Kohlensäure

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Mittwoch, 9. Juli 2014

Pinkus Müller's Lagerbier

Müller’s Lagerbier
4,6 vol%, Original Brauereiabfüllung, Gerstenmalz, Naturhopfen und Hefe aus Demeter Vertragsanbau

Auf Deppen-Apostrophe reagiere ich immer allergisch. Dass wir Deutschen es einfach nicht begreifen wollen, dass unser Genitiv nur dann einen Apostroph kennt, wenn der Name auf S endet. Aber es geht ja nicht um die Grammatik …Und vielleicht ein bisschen auch um Demeter, denn ansonsten verweist Pinkus nie auf einen speziellen, sondern immer nur auf biologischen Vertragsanbau

Farbe Alsterwasser, also Bier mit Fanta, leicht trüb, Schaum verpufft
Duft: säuerlich frisch
Geschmack: süffig, eher säuerlich als herb, ganz feinperlig, fast wie Weißbier
Abgang: Kohlensäure steigt auf, frisch, leicht herb
Eindruck: Ist das ein Weißbier? Warum verpufft der Schaum in Null-Komma-Nix? Macht nix, Müllers Lagerbier schmeckt mir, aber wird es auch mein Favorit?

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Montag, 7. April 2014

Kilchoman Machir Bay 2013


46 % vol., junger und schnell gereifter Whisky der jüngsten Destillerie auf Islay

Box mit 2 Gläsern
Farbe: sehr blass, wie Weißwein
Duft: leicht phenolig, deutlich alkoholisch, etwas modrig
Geschmack: scharfer, herber Antritt, kurz phenolig, rattige Schärfe
Abgang: herb, es dauert, bis die Süße kommt, die dann immer stärker wird, das Bittere bleibt trotzdem hängen
Eindruck: halbstarker Rabauke, der nicht halten kann, was er vorgibt zu sein

Montag, 24. März 2014

Bowmore Enigma 12 Jahre

40 % vol., höherer Sherry-Fass-Anteil

Farbe: eher grünlich, in der Flasche deutlich rötlich, allerdings gefärbt
Duft: wenig Rauch, kaum spürbar, schwach nach Sherry, stechender Alkohol
Geschmack: Eiche ist sofort präsent, schärfer als der normale 12-jährige Bowmore, wilder, prescht hervor, von Sherryeinfluss keine Spur mehr
Abgang: schleicht von dannen, wohlige Wärme, bitter, rauchig, erst noch süß
Eindruck: der doch deutlich „scharfe“ Abgang ist dann doch überraschend

Dienstag, 18. März 2014

Grevener Emswasser

Grevener Emswasser
32 vol%, Korn Spezialität, abgefüllt für Feinkost Gottschlich, Marktstraße 4, 48268 Greven

Michael behauptet steif und fest, dass das Emswasser nur auf uns gewartet hat. Lange hat er die hübsch verzierte kleine Steingutflasche für unseren Besuch bei ihm aufgespart. Und nun dürfen wir verkosten. Klar, es ist ein Korn. Aber aus welcher Brennerei wird nicht verraten. Feinkost Gottschlich hat da was abfüllen lassen. Optisch macht das Fläschchen schon was her, passt gut zu Münsterländer Spezialitäten wie Knochenschinken und Pumpernickel. Also die ideale Ergänzung für einen Fresskorb. Gibt's den überhaupt noch?
Natürlich kann ich dann nicht anders: Alles nur der Optik wegen, ansonsten bestimmt alles ganz normaler Korn. Kein in Fässern gereifter, kein sonstwie aufgehübschter Korn. Korn ist Korn, Korn bleibt Korn.

Wir trinken das Grevener Emswasser heute ungekühlt. Korn wird ja normalerweise immer eiskalt getrunken.

Farbe Klares Emswasser gibt’s doch gar nicht, und Wasser direkt aus der Ems würde ich ja nicht trinken, auch wenn es so klar wie Grevener Emswasser ist
Duft: nach Weizenkorn eben
Geschmack: milder Korn, normaler Korn, einfacher Korn, gängiger Korn
Abgang: leichtes Prickeln auf der Zunge, herb
Eindruck: Wäre ich Marketing-Mensch, würde ich jetzt schreiben: Ein ehrlicher, bodenständiger Korn, wie ihn jeder Münsterländer kennt und liebt. Liebt? Naja, Korn ist schon etwas aus der Mode, zu normal, zu langweilig, zu sehr Wirkungstrinken. Aber als Grevener Emswasser ist natürlich alles anders, da ist selbstverständlich nicht nur der Name schöner. Wie wär's dann mal mit Münsteraner Aawasser. Wir haben schließlich auch ein Flüsschen in Münster. Jetzt kommen Sie mir nur nicht auf die Idee, es als A-A-Wasser auszusprechen. Das wäre marketingtechnisch katastrophal.

Montag, 17. März 2014

Bowmore 12 Jahre

... ist ein Whisky auf Peters Fundus, davon hab' ich leider weder ein Bild gemacht noch die Details aufgeschrieben, deshalb hier nichts weiter als die "nackte" Verkostung:

40 % vol.

Farbe: sehr hell, durchsichtig gelb, allerdings gefärbt
Duft: milder Rauch wie aus ausgekühlten, leicht feuchten und nur halbverbrannten Scheiten, zurückhaltend
Geschmack: der Rauch rollt über den Gaumen, keine Schärfe, sanft auf der Zunge
Abgang: kein Feuerwerk, hintergründiger Rauch bleibt
Eindruck: angenehm zu trinken, ohne dass der Rauch zu dominant wird

Dienstag, 11. März 2014

Butzelmann

Butzelmann
31 vol%, Halbbitter, „Der Bergische Kräuter-Likör im Steinkrug, Butzelmann Spirituosen GmbH, Haan, Alleinvertrieb: Vinco GmbH Trier

Bei Steinzeugflaschen bin ich seit dem Fiasko mit dem ostfriesischen Kruidenbitter ziemlich skeptisch, zumal diese Flasche zwar unangebrochen, aber immerhin schon seit meinem Geburtstag 2011 im Regal steht. Können wir geschmacklich noch etwas erwarten?
Muss ich ja, denn auf dem rückseitigen Etikett wird so richtig auf die Ka... gehauen: „Kräuter und Geist spenden frohes Wohlbehagen. Echt aus dem Steinkrug, Qelle von Freude und Lust.“ Obacht, das ist ausnahmsweise keiner meiner berüchtigten Tippfehler, wenigstens nicht bei der Qelle.

2005 hat der Butzelmann die Goldmedaille beim Internationalen Spirituosen-Wettbewerb gewonnen. Und 2007 den zweiten Platz eines Test von Magenbittern im Stern belegt. Jajaja – Auszeichnungen sind wirklich wichtig.

Wir trinken unseren Butzelmann heute ungekühlt. Irgendwer hat mir mal verkündet: Je schlechter der Schnaps, desto tiefer die Trinktemperatur.

Farbe dunkelrotbraun
Duft: Hustensaft, gesund, ein Hauch Dachpappe, kräuterig, leicht fruchtig
Geschmack: brennt, herb, fruchtig, medizinisch, ein Hauch von Cola und Weihnachten, deutlich nach Nelke
Abgang: süß und herb, verblasst schnell
Eindruck: klebrig, die Nelken drängen sich stark nach vorne, dadurch leicht unrund, aber sonst nicht übel. Keine Ahnung, ob die lange Standzeit im Steinzeug dem Geschmack geschadet hat. Der schmalzig schwaflige Text auf der Rückseite verrät: „... Der urige Steinkrug bewahrt den belebenden Geist und alle würzigen Kräuterkräfte in beständiger, erlesener Harmonie. Er lässt keinen Hauch seines herzhaften und kräuterduftenden Aromas entrinnen – keinen Schimmer Licht eindringen. …“ Ach, das lassen wir zukünftig weg. Der Butzelmann schrammt knapp an „4 gerne doch“ vorbei, sogar ungekühlt.