Donnerstag, 22. September 2016

Craigellachie 17 Jahre


Craigellachie 17y
46 vol%, The Craigellachie Distillery Company, Aberlour, Banffshire, AB38 9ST, Scotland

Es gibt schottische Destillerien, die sind nicht Fokus der Whisky-Liebhaber. Manchmal stolpert man aber wegen der schönen Flasche oder wegen einer Empfehlung darüber. Diese sehr altmodisch wirkende Flasche war mir schon aufgefallen, den Ausschlag gab allerdings die Verkostung von Thomas Thiemeyer.

Und ich hab' es nicht bereut, zumal der Preis für diesen Whisky sich erstaunlicherweise nach unten bewegt hat.

Dieser Whisky hat eine schöne Altersangabe und ist nicht kühlgefiltert. Wäre nötig gewesen, wenn der Alkoholgehalt nur 40 vol% betragen würde und wir ihn auf Eis probieren wollten. Das wäre aber stillos. Über eine Färbung steht nichts auf der Packung, also ist er vermutlich auch nicht gefärbt. Dafür spricht der doch helle Goldton.

Fragen Sie mich bitte nicht, wie man den Namen richtig ausspricht.

Wir trinken diesen Whisky pur und zimmertemperiert.

Farbe: wässeriges Gold
Aroma:weich, leicht malzig, fruchtig, grünes Obst, sagen meine Mittester, mir ist eher nach roten Beeren, insgesamt sehr angenehm, der Alkohol kommt erst später
Geschmack: erst weich, dann feurig brennend, ölig, sahnig, klar definiert, kurz bitter
Abgang: Eiche, dann ist sofort Schokolade präsent, Speichelfluss setzt ein, der Geschmack bleibt lange erhalten, in Mund und Rachen noch gut schmeckbar
Fazit: vielfältige komplexe Noten, changiert zwischen Eiche und Zartbitterschokolade, Geschmack bleibt lange erhalten, angenehm runder Speysider, sehr angenehmer Whisky, könnte auf absehbarer Zeit mein Lieblingswhisky bleiben, hat zudem mittlerweile ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, für knapp unter 60 Euro hervorragend.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Riga Black Balzam

Riga Black Balzam
45 vol%, AS „Latvijas balzams“, Aleksandra Čaka iela 160, Latgales priekšpilsēta, Rīga, LV-1012, Lettland

Die Dose ist schon mal mindestens super. Die Destillationsszene aus vergangener Zeit echt beeindruckend … bekannt und fremd zugleich. Sie erinnert mich meine Kindheit, genauer an die Wohnung meiner Tante. Da gab's noch Ende der Sechziger noch ähnliches Wirtschaftswunderzeug. So etwas habe ich lange nicht mehr gesehen. Find' ich aber richtig gut. Die Flasche selbst ist aus dunkelbraunem Steingut. Die Etiketten sind mit Goldschrift bedruckt.

Die Flasche kommt direkt aus Lettland, drum steht da auch nix auf Deutsch drauf. Was ich auf Englisch lesen kann: Black Balzam wurde bereits 1752 von dem Rigaer Apotheker Kunze hergestellt. Ein Apothekerschnaps? Allesamt bisher probierten Apotheker-Schnäpse waren außerordentlich bitter und sehr gewöhnungsbedürftig. Eine letzte Info auf der Flasche: Aus 24 verschiedenen Zutaten – Gräsern, Beeren, Wurzeln und Knospen – entsteht ein klassischer wie trotzdem zeitgenössischer Geschmack, pur oder als Cocktail. Wir sind gespannt ...

Wir trinken diesen Magenbitter pur und zimmertemperiert.

Farbe: dunkel, schwarzbraun
Aroma: süßlich, Weintraube, Kakao, fruchtig, fast so wie Herren Spezial
Geschmack: Boah, was'n datt? Das ist ja mal herb! Bitter bis hin zu gallig, aufflammend, medizinisch und deshalb schwer gewöhnungsbedürftig, so was von herb und bitter, dass es unsere Geschmacksrezeptoren dermaßen überwältigt, dass der Balzam allen anderen außer mir schwer missfällt
Abgang: total herb und bitter, brennt noch im Magen, wobei ich noch eine gewisse Süße schmecke, die aber erst im allerletzten Nachschmecken spürbar wird, bleibt aber vordergründig doch sehr bitter
Fazit: Also nee! Meine Mitverkoster sind gar kein bisschen angetan. Sie schütteln sich, für sie löst der Black Balzam instinktiv Alarmglocken aus: Bloß nicht trinken, ist zu gallig bitter, kann nicht gesund sein. Und das, obwohl es ein Apotheker-Schnaps ist.
Oder sind wir Mitteleuropäer mittlerweile so auf Süß gepolt, dass uns so bitterer Geschmack missfällt? Ich kann dem Black Balzam als Magenbitter durchaus etwas abgewinnen, stehe aber mit meiner Meinung gegen vier Mitverkoster. Vielleicht ist ja das beigefügte Rezeptbüchlein für Cocktails die Rettung für die Flasche.

Dienstag, 5. Juli 2016

Johnnie Walker Green Label 15 years

Johnnie Walker Green Label aged 15y
42 vol%, John Walker & Sons, 5 Lochside Way, Edinburgh, EH12 9DT, Scotland

Tja, das ist ja selten und dementsprechend heiß erwartet und mit einigen Vorschusslorbeeren versehen. Wenn schon ein Johnnie Walker nur aus Single Malts komponiert wird, dann muss er auch was sein. Ist halt kein normaler Blend mit großem Grain-Anteil, beim Green Label stammen die Single Malts aus den Brennereien Talisker, Linkwood, Cragganmore und Caol Ila. Wenn das man nichts ist?! So große Namen … und bis auf den Linkwood habe ich schon alle probiert, und Talisker gehört besonders mit seiner Distiller's Edition zu meinen Favoriten.

Wir trinken diesen Whisky natürlich zimmertemperiert.

Farbe: schön und ansehnlich, allderdings gefärbt
Aroma: süßlich, fruchtig, schwach nach Lösemittel (ist ja eigentlich typisch für Bourbon), Eiche, ganz schwach rauchig
Geschmack: erst mild und frisch, wie nach dem Zähneputzen, dann rauchig und mit dem typische scharfen Aufflammen von scharfem Chili, eben typisch Talisker
Abgang: lang, rauchig belegt, wärmend
Fazit: heute etwas unangenehm holzig und bitter, findet beim heutigen Tasting keine Freunde, leicht metallisch, Johnnie Walker Green Label braucht wohl noch etwas Luft. Vielleicht mildert die Oxidation noch den Geschmack
Update: Das erste Tasting erfolgte mit der frisch angebrochenen Flasche. Mittlerweile hat sich in der Flasche mehr Luft breit gemacht. Der Geschmack hat sich mittlerweile deutlich zum Positiven gewandelt. Der Lösemittelgeruch ist fast komplett verschwunden. Auf der Zunge wirkt er fast sahnig cremig, die Schärfe ist längst nicht so dominant, bleibt aber im langen Abgang deutlich spürbar, insgesamt deutlich besserer Eindruck als nach dem ersten Tasting, wobei die Eiche weiterhin stark bleibt.

Dienstag, 7. Juni 2016

Echter Torftrunk

Echter Torftrunk
35 vol%, Heiko Blume GmbH & Co. KG, 26446 Friedeburg

Das ist ein Mitbringsel vom Greets(p)ielen. Die haben im Supermarkt in Greetsiel wirklich eine große Auswahl diverser Alkoholika. Was so ein großes Angebot wohl bedeutet?

Ich stehe jedenfalls alljährlich vor dem Schnapsregal und kann mich nicht entscheiden. Dieses Mal habe ich zum Torftrunk gegriffen, davon waren die meisten Flaschen verkauft. Sicherheitshalber habe ich aber nur eine 0,35l-Flasche erstanden. Man weiß ja nie, wie Urlaubsschnäpse so ankommen.

Wir trinken diesen Kräuterlikör eiskalt.

Farbe: klar
Aroma: Kräuter, dezent nach Anis, hintergründige Minze
Geschmack: Minze, erst süß, dann erdig, ölig weich, Kümmel und Kräuternoten (welche?)
Abgang: schwach nach Anis, angenehm lang
Fazit: gut trinkbar und lecker zusammen komponiert, beim nächsten Besuch in Greetsiel werde ich kein Problem bei der Wahl mehr haben: Echter Torftrunk wird’s wieder werden.
Update: Nachdem das Fläschen länger im Anbruch ist, schmeckt dieser Torftrunk längst nicht mehr nur schwach nach Anis, er schmeckt fast wie ein Ouzo.

Dienstag, 31. Mai 2016

Arran Amarone Cask finish

Arran Amarone Cask finish
50 %vol, Isle of Arran Distillers Ltd. Lochranza Isle of Arran KA27 8HJ/GB

Längere Zeit war der Arran 14y mein Lieblingswhisky ... deshalb war ich schon immer an Arrans Nachreifungen interessiert. Allerdings nicht so sehr an den Nachreifungen in Weinfässern. Die sind nicht so mein Ding. Zum Amarone hat mir ein befreundeter Weinkenner verraten, dass er vom Amarone nicht mehr als ein Glas trinken kann. Zu schwer, zu intensiv. Das macht mich dann doch neugierig auf diesen Arran.

Wir trinken diesen Single Malt natürlich ungekühlt, nach dem ersten Probieren allerdings mit ein, zwei Tropfen Wasser.

Farbe: rosé – wie ein dunkler Roséwein
Aroma: fruchtig, Kirsche, alkoholisch, zu Beginn Portwein
Geschmack: vorne fruchtig, rote Beeren, Kirsche, dann ziemlich dominant scharf und feurig
Abgang: erst noch deutlich brennend, dann lang wärmend
Fazit: besser mit ein, zwei Tropfen Wasser, wird dann runder und weicher, aber immer noch kräftig, mir gefällt das Amarone-Finish wegen seiner schönen Fruchnoten, meinen Mitverkostern ist er eher zu stark, kein Whisky für Anfänger

Donnerstag, 19. Mai 2016

Mirto Di Sardegna rosso von Zedda Piras

Mirto Di Sardegna rosso
32 vol%, Liquore dolce, Zedda Piras S.P.A. - Cagliari -Italien

Das ist ein Mitbringsel aus Jürgens Sardinienurlaub. Der Urlaub liegt tatsächlich schon lange zurück, und bislang stand die Flasche ungeöffnet im Schrank. Wie das immer so ist … mit Urlaubsmitbringsel. Gemeinhin schmecken sie vor Ort immer viel besser.

Wir trinken diesen Likör erst kühlschrankkalt in eisgekühlten Pinnchen, später noch ungekühlt (was besser ist!).

Farbe: dunkles Kupferrot
Aroma: medizinisch, Süßholz, Badezusatz
Geschmack: ölig, weich, dann doch scharf aufflammend, am Ende Zitrus mit Mokka, deutliche medizinische Note
Abgang: herber werdend, klebrige Süße bleibt aber auch
Fazit: schöner runder, jedoch eher süßer Kräuterlikör, räumt gut auf, erinnert entfernt an Ramazotti

Freitag, 13. Mai 2016

Tin Cup

Tin Cup
42 vol%, 84 proof, bottled in Denver by Tin Cup Whiskey

Ist das jetzt ein Bourbon?! Nee, kommt ja nicht aus Kentucky oder Tennessee. Auf der Banderole am nachgemachten Zinnbecher steht, dass mit Rocky Mountain Wasser verschnitten ist. Drin ist nicht nur Mais, sondern auch Roggen (Rye) und Malz, vermutlich Gerstenmalz.

Die Flasche ist ja ultrastylisch. Sie hat mich zum Kauf verführt, denn eigentlich liegt mein Fokus eher auf Single Malts aus Schottland.

Wir trinken diesen amerikanischen Whiskey ungekühlt und selbstverständlich auch ohne Eis.

Farbe: goldenrötlichorange, etwas heller und weniger rot als ein Bourbon
Aroma: fruchtig, Zitrus, aber auch der klassische Bourbon Duft nach Vanille
Geschmack: herb fruchtig
Abgang: langanhaltend herb bis bitter, gar nicht smooth and mellow
Fazit: so stelle ich mir das Feuerwasser des Wilden Westens vor: ruppig, herb, alkoholisch, dennoch kann ich dem Tin Cup doch auch so viel abgewinnen, dass ich ihn nicht beiseite stellen werde. Ich mag ja eigentlich Rye Whiskeys, und die sind per se würziger. Und dieser hier ist ziemlich würzig, wenn man das Ruppige als Würze interpretiert
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